von Karl Kraus
Regie: Paulus Manker
Spielort: Serbenhalle Wiener Neustadt

Unter dem Eindruck des Ersten Weltkrieges schrieb Karl Kraus in den Jahren 1915 bis 1922 „Die letzten Tage der Menschheit“, eine „Tragödie in 5 Akten mit Vorspiel und Epilog“. Kraus schreibt im Vorwort, das Stück „sei einem Marstheater zugedacht“, da ein normales Publikum ihm nicht standhalten könne. Wegen seiner enormen Anforderungen ist es noch nie komplett aufgeführt worden, es gehört zu den großen ungehobenen Schätzen des Welttheaters.

Schauplatz ist die so genannte „Serbenhalle“ in Wiener Neustadt, einst der größte Hallenkomplex Mitteleuropas, den Hitler 1942 im serbischen Kraljewo erbeutete, in 400 Eisenbahnwaggons nach Wiener Neustadt bringen und hier zum Zweck der Rüstungsproduktion, auch der berühmten V2-Rakete, von Zwangsarbeitern wieder aufbauen ließ. Ein wahrlich geschichtsträchtiger Ort, mit Nebengebäuden, Comptoirs, Maschinenhallen und Zeichensälen, in den man das Publikum sogar mit einer Eisenbahn hineinfahren kann. Und genau das wird dort auch geschehen.

Das Werk umfasst insgesamt 220 Szenen. Auf Straßen, in Kaffeehäusern, Ministerien, Schlafzimmern, Schützengräben, Armee-Kommandos, Kirchen, Amtsstuben, Gerichten, Friseurläden, Bahnhöfen werden Unterhaltungen, Telefongespräche, Ansprachen, Vorträge, Diskussionen, Erlässe, Befehle, Pressemitteilungen oder einfach zufällige Begegnungen in österreichischen und deutschen Städten sowie an diversen Fronten wiedergegeben.

Das Personenverzeichnis enthält hunderte Sprechrollen und reicht vom "einfachen Mann" bis zu kaiserlichen Hoheiten: Befehlshaber, Offiziere, Schauspieler, Kriegsberichterstatter, Literaten, Historiker wie namenlose Passanten, Soldaten, Väter, Mütter, Huren, Priester, Flüchtlinge, Kaffeehausbesitzer, Zeitungsausrufer… ­– in den über 200 Szenen werden ständig neue, Charaktere vorgestellt. Teilweise historisch, teilweise frei erfunden teilen sie ein Schicksal: Kraus reiht ihre zu großem Teil aus Zitaten bestehenden Textzeilen so aneinander, dass ihre Ungereimtheiten, inneren Widersprüche und scheinheiligen Argumente offen gelegt werden.

Ein Mammutunternehmen, das alle Maßstäbe sprengt, für ein Mammutwerk an einem Mammutort, mit einem Großaufgebot an Schauspielern, Dekorationen und Schauplätzen.

Seien Sie mit dabei!

 

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